Bauwerksbegrünungen sind innovativ, zukunftsorientiert und liegen voll im Trend.

Begrünung im Innenraum

Innenraumbegrünung ist viel mehr als nur ein dekorativer Blumentopf auf der Fensterbank. Pflanzen in Arbeits- und Wohnräumen verbessern das Raumklima, fördern den Stressabbau und wirken auch optisch erfrischend.

Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit und können mit ihrer Sauerstoffproduktion gleichzeitig CO2 abbauen. Sie sind nicht nur spitze, weil sie den Feinstaub in der Luft binden, sondern auch weil sie Schadstoffe, wie zum Beispiel Formaldehyd, Benzol oder Nicotin aus der Raumluft filtern können. Auch im Innenraum bewirkt Begrünung eine natürliche Schalldämpfung und gleichzeitig eine attraktive Raumgestaltung.

Arten von Innenraumbegrünung

Jede Innenraumbegrünung wird gezielt auf die jeweilige Umgebung abgestimmt. Funktion und Nutzung des Raumes, Lichtverhältnisse, Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit sind zu prüfen, um eine fachgerechte Begrünung herzustellen.
Es gibt Innenraumbegrünungen in mobilen oder ortsgebundenen Gefäßen oder in Flächen mit oder ohne Bodenanschluss.

Bei Innenraumbegrünungen ohne Bodenanschluss sind der Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt! Gefäße aller Art können begrünt werden, vom kleinen Blumentopf bis hin zu großen Trögen. Je nach Standort braucht die Innenraumbegrünung eventuell pflanzenwirksames Zusatzlicht, falls die natürlichen Lichtverhältnisse nicht ausreichend sind. Die Wasserversorgung kann entweder herkömmlich mit Gießen oder mittels einer automatischen Bewässerungsanlage und Feuchtesensoren sichergestellt werden. Pflanzen im Innenraum brauchen eine ausreichende Drainageschicht, um Stauwasser zu vermeiden. Geeignete Pflanzen können beispielsweise Efeutute, Einblatt, Drachenbaum, Philodendron, Grünlilie oder Schefflera sein.

Eine Innenraumbegrünung mit Bodenanschluss erkennt man an dem direkten Kontakt zwischen Pflanzfläche und Mutterboden. Bei guter Bodenvorbereitung und –verbesserung ist sie kaum anfällig für Schäden durch Staunässe, da überschüssiges Gießwasser abgleitet werden kann. Solche Begrünungen gedeihen bei optimaler Lichtversorgung, ausgeglichener Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit besonders schnell und üppig.

Pflanzen in Hydrokultur werden bereits für dieses System vorkultiviert. Ein Substrat aus mineralischen Komponenten gibt ihnen Halt und sorgt für eine ausreichende Luftzufuhr.

Sie wachsen ohne organische Substanzen im Substrat und damit sauber und geruchlos. Mit Hilfe eines Nährlösungsanstaus werden sie unkompliziert mit Nährstoffen versorgt. Ein Wasserstandsanzeiger gibt darüber Auskunft, ob noch genug Wasser im Speicher vorhanden ist.

Begrünte Wände, sogenannte „Living Walls“ sind nicht bodengebunden und können unterschiedlich konstruiert sein. Es gibt Varianten mit Vliesen und Pflanzen auf Hydrokulturbasis oder Metallkonstruktionen, die mit Innenraumsubstrat befüllt und bepflanzt werden. Sie werden in verschiedenen Größen ausgeführt, vom begrünten Raumtrenner bis hin zu grünen Wänden über mehrere Stockwerke. Mit einer automatischen Bewässerung und zusätzlicher Beleuchtung werden sie optimal versorgt. Mit der gezielte Auswahl von Pflanzen mit unterschiedlichen Blattfarben und –strukturen können „Living Walls“ mit individuellen Mustern bis hin zu Logos oder Schriftzügen gestaltet werden

Dachbegrünung

In den meisten Städten gibt es viele Dachflächen die sich für ein Gründach eignen, aber noch brach liegen. Und auch viele modern errichtete Einfamilienhäuser besitzen ein flaches Dach. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen. Denn Gründächer haben viele positive Auswirkungen auf das Klima, die Menschen und die Umwelt:

Sie fördern den Regenwasserrückhalt und minimieren Niederschlagabflussspitzen (Schutz vor Überflutung). Im Sommer erwirken sie eine Energieeinsparung durch Kühleffekt im Sommer und bringen zusätzliche Wärmedämmung im Winter. Das Mikroklima wird verbessert und subjektiven Wohlbefindens mit der Erhöhung der Luftfeuchtigkeit, Temperatursenkung bei Hitze tritt ein. Staub und Luftschadstoffen werden gebunden. Die Lebensdauer der Dachabdichtung wird verlängert, da sie vor UV-Strahlung, Temperaturdifferenzen und Hagelschlag geschützt wird. Ein Gründach bietet natürlichen Lebensraum für Menschen und Tiere.

Grundsätzlich unterscheidet man Dächer mit extensiver oder intensiver Begrünung. Die extensive Dachbegrünung ist die kostengünstigste als auch einfachste Form der Dachbegrünung. Sie eignet sich für Industriegebäude, Lagerhallen, Einkaufszentren, Einfamilienhäuser und Nebengebäude, wie Garagen und Carports. Extensive Begrünungen benötigen wenig Planungs- und Pflegeaufwand (keine zusätzliche Bewässerung) und haben eine geringe Aufbauhöhe bzw. ein geringes Flächengewicht durch optimierte Materialien. Eine extensive Dachbegrünung wird mit Wildstauden, Kräutern, Sukkulenten und Gräsern bepflanzt.

Die intensive Dachbegrünung mit mehrschichtigem Aufbau schafft eine Gartenlandschaft auf der Dachoberfläche. Ob Gartenparadies, Kinderspielplatz oder Parkdeck – alles ist möglich. Diese Form der Dachbegrünung braucht einen etwas höheren Planungsaufwand, erhöhte statische Voraussetzungen und hat ein höheres Flächengewicht. Die regelmäßige Pflege ist vergleichbar mit der Pflege eines Gartens. Die intensive Dachbegrünung ist vielfältig bepflanz- und bebaubar und bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzenarten.

Aufbau einer Dachbegrünung

Ein musterhafter Aufbau sieht folgendermaßen aus:

Vegetation: Variiert von bodendeckenden Sukkulenten bis hin zu Sträuchern und Bäumen je nach Aufbauhöhe der Dachbegrünung, die Begrünung ist mittels Ansaat mit Sprossteilen, mit Topf- und Ballenpflanzen bis hin zu vorkultivierten Fertigmatten und Fertigrasen möglich.

Vegetationstragschicht: Wurzelraum für die Pflanzen und zur Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Die normgerechten Pflanzsubstrate und Pflanzerden bestehen aus mineralischen offenporigen Schüttstoffen, wie z.B. Tonhartbrand, Blähton, Blähschiefer oder Ziegelgranulat, welche mit einem variierenden Anteil an organischer Substanz (wie beispielsweise gütegesichertem Kompost) abgemischt werden.

Filterschicht: trennt die Vegetationsschicht von der Dränschicht und verhindert damit das Verschlämmen der Dränschicht durch eingeschwemmte Feinanteile aus der Vegetationstragschicht. Sie besteht aus durchwurzelbaren und wasserdurchlässigen Geotextilien.

Drän- und Speicherschicht: dient zur Ableitung bzw. Speicherung von überschüssigem Wasser und besteht aus mineralischen (Recycling-) Schüttstoffen, Dränmatten, Dränplatten aus Kunststoff oder Dränelemente aus Kunststoff mit und ohne Wasserspeicherfunktion.

Schutzlage: schützt die Dachabdichtung in der Bauphase und darüber hinaus vor Beschädigung.

Zusätzlicher Durchwurzelungsschutz:
entfällt, wenn die Dachabdichtung bereits wurzelfest ausgeführt ist.

Dachabdichtung: ist immer normgerecht und wurzelfest ausgeführt.

Dachbauweisen

Normgerecht begrünt werden können Dächer mit Neigungen von 1,8 % (1°) bis 58 % (30°), wobei ab 9 % Neigung Maßnahmen gegen das Abrutschen von Wurzelschutz und Abdichtung, ab 26 % gegen Abrutschen des gesamten Aufbaues zu setzen sind. Dachbegrünungen außerhalb dieser Gefällespanne sind als Sonderkonstruktionen anzusehen und bedürfen unbedingt einer professionellen Errichtung. Folgende Dächer sind begrünbar:

Kaltdach – durchlüftete zweischalige Konstruktion, deren obere Schale tragfähig ist

Einschalige Konstruktion ohne Wärmedämmung

Warmdach – einschalige Konstruktion mit Wärmedämmung unter der Abdichtung

Umkehrdach – einschalig Konstruktion mit Wärmedämmung über der Abdichtung

Zumeist werden Gründächer auf Unterkonstruktionen aus Beton und Holz errichtet, aber auch auf Leichtkonstruktionen wie etwa Trapezblechen unter besonderer Berücksichtigung der Tragfähigkeit. Herkömmliche Ziegeldächer sind nicht begrünbar, herkömmliche Blechdächer nur bedingt mit zusätzlichem technischem und konstruktivem Aufwand.

Pflege und Wartung

Die Pflege und Wartung beinhaltet

  • die Beigabe von Feststoffdünger (wenn kein Flüssigdünger verwendet wird)
  • Rückschnitt von Gras- und Krautvegetation
  • Form-, Erziehungs-, sowie Rückschnitte der Vegetation
  • Entfernen der Fremdvegetation
  • Entfernung und Ersetzen von ausgefallener Vegetation
  • Entfernung abgefallenes Laub
  • Austausch bzw. Ergänzung von Substrat bzw. Substratersatz

Durch eine intelligente Planung können im Vorfeld die Kosten für die Pflege und Wartung gering gehalten werden.

  • Best-Practice Beispiele: Maps-Karte mit hinterlegten Datenbank, Fotos
  • Der Weg zur Begrünung (Step-by-Step)
  • Potentiale, Visualisierungen
  • Weiterführende Links und Downloads

FAQ

Falsch. Die Errichtungskosten von Begrünungen liegen meist unter 2% der Gesamtbaukosten.

Nein. Die Pflegekosten am Beispiel der MA48 betragen rund 10€/m2 im Jahr, wobei mit steigender Fläche die Kosten fallen. Ein mehrfach gemähter Rasen kostet mehr!

Dies ist durch die Planung beeinflussbar. Je nach Begrünungsart sind ein bis zwei Pflegedurchgänge pro Jahr notwendig. Bei Selbstklimmern, wie Efeu und Wilder Wein, muss grundsätzlich nur eine Sichtkontrolle auf Gefahrenpotenzial, gegebenfalls ein Rückschnitt durchgeführt und die Bepflanzung von toten Pflanzenteilen befreit werden. Sensible Bereiche wie Fenster, Dachstühle, -rinnen, Abflussrohre oder Ähnliches müssen von der Bepflanzung frei gehalten werden. Gerüstpflanzen benötigen zumeist weniger Rückschnitt.

Achtung! In Abhängigkeit des Systems kann die Unterstützung von Experten dringend empfohlen werden, da dadurch grobe Fehler vermieden werden können. Der Verband für Bauwerksbegrünung (VfB) ist in Österreich eine Anlaufstelle für Kontakte zu Beratungen.

Keinesfalls – Im Gegenteil, Pflanzen halten Wasser ab, bzw. nehmen Wasser auf. Einzige Ausnahme ist eine alte, ungepflegte Efeubepflanzung. Das Totlaub an der Fassade kann hierbei zu einer Humusbildung führen, die der Pflanze zu neuem Nährboden an der Wand verhilft. Fassadengebundene Systeme sind vorgehängt, hinterlüftet und durch eine wasserdichte Rückplatte somit vom Gebäude feuchtetechnisch entkoppelt. Eine aktuelle Studie der TU Wien (KORJENIC et al., 2015) zeigt, dass untersuchte Mauern hinter Fassadenbegrünungen nicht feucht sondern trocken sind.

Kommt darauf an – Für den Planungsprozess steht ein „Behörden-Guide“ sowie ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren als hilfreiche Unterstützung zur Verfügung. Fachexperten können das notwendige Planungs- und Genehmigungsausmaß richtig einschätzen.

Im Gegenteil – Begrünungen reinigen die Luft und produzieren Sauerstoff. Der Laubwurf ist rasch in einem Arbeitsgang zu entfernen, ähnlich wie bei Bäumen.

Prioritätenabhängig – Das Wasser wird in Verdunstungskälte umgewandelt und bewirkt so eine Verbesserung des Stadtklimas. Wenn man bemerkt, dass die Herstellung eines Kilos Rindfleisch bereits 15.500 Liter Wasser (WORLDWATCH INSTITUTE, 2004) benötigt, so lässt sich im Vergleich dazu ein fassadengebundenes Begrünungssystem als äußerst nachhaltig, technisch hochwertig und mit einem hohen Mehrwert bewerten. Des Weiteren benötigen bodengebundene Begrünungen bei ausreichend Niederschlag meist keinerlei Bewässerung.

Die Pflege von Fassadenbegrünungen sollte von qualifizierten Unternehmen mit Erfahrung durchgeführt werden.

Ganz unterschiedlich – Das Holzgewicht von ausgewachsenen Pflanzen (Gesamtgewicht) variiert je nach Pflanze von z.B. Waldrebe (10-30 kg) bis Blauregen (814kg).

Eindeutig ausgeschlossen – Das Vorurteil kommt eventuell auf, weil manche Kletterpflanzen an Feuermauern aus der Nachkriegszeit angebracht wurden. Dabei wird der Putz durch die Fassadenbegrünung am Objekt gehalten. Im Vergleich dazu sind bei unbegrünten Referenzprojekten bereits vor 20 Jahren die Fassaden erneuert worden.

Begrünungen werden von Wespen praktisch nicht besucht. Wildbienen wie Hummeln und Honigbienen kommen hingegen gerne, diese sind jedoch ungefährlich.

Ästhetik ist eine Frage des Geschmacks – Bei der Begrünung steht der Einsatz von immergrünen und laubabwerfenden Pflanzen zur Wahl, wobei zweitere den jahreszeitlichen Wandel der Natur wiederspiegeln.

Nicht wirklich – Das trifft nur dann ein wenn das Gebäude bereits beschädigt ist oder die lichtfliehende Bepflanzung nicht kontrolliert bzw. gepflegt wird. Die Haftscheiben des Wilden Wein verursachen bei der Entfernung allerhöchstens visuelle „Schäden“, die überstrichen werden können.

Positive Auswirkungen von Begrünung

Begrünungen bringen viele Vorteile mit sich: Sie halten Städte im Sommer kühl und reduzieren den Urban Heat Island Effekt (UHI), sie helfen bei der Bewältigung von Starkregenereignissen und verbessern die Luftqualität und die Lärmbelastung. Grüne Infrastruktur bietet bei näherer Betrachtung durchaus interessante Return-of-Invest Zeiträume (Einsparungen bei Heiz- und Kühlkosten, Ressourcenschonung, Gebäudelebensdauerverlängerung) und viele Vorteile für die Gesellschaft an sich, sie helfen durch CO2-Einsparungen Klimaschutzziele zu erfüllen (Freizeitmobilität), bringen den Stadtbewohner wieder näher an die Natur sowie zueinander und verbessern mentale wie physische Gesundheit des Einzelnen. Eine bessere Lebensqualität sorgt für gesündere und glücklichere BewohnerInnen, deren höhere Produktivität am Arbeitsplatz und verringerte Krankheitstage auch den ArbeitgeberIn und das Sozialsystem erfreuen.

Messbare Leistungen von Fassadenbegrünungen:

Mikroklima

Verdunstung

Erhöhte Luftfeuchte
Senkung der gefühlten bis zu 13K/°C
Reduktion UHI-Effekt

Luftverbesserung

MA48 Begrünung – Sauerstoffproduktion für 40 Personen

Feinstaubbildung über Blattoberfläche

  • 1,7kg/m²a (1000m² x 20cm Hedera helix)

Verdunstungskälte

  • MA48 Begrünung
  • Kühlleistung – ca. 712 kWh

Menschliches Wohlbefinden

Thermischer Komfort

  • Reduktion PMV-Wert um 1,5 Punkte

Lärmschutz

  • Schallreduktion um 1-10 dB

Behaglichkeit

  • Gefühl von Sicherheit
  • Ästethische Wirkung

Stadtökologie (Flora & Fauna)

Habitatschaffung

  • Biotopvernetzung

Biodiversität

  • Raum für „Urbane Wildnis“

Lebenszyklus­verlängerung Schutz der Bausubstanz

Physischer Materialschutz

  • Schutz mechan. & chemischer Umwelteinflüsse
  • Spechtlöcher
  • Vandalismus (Grafittis)
  • Geringere Sanierungskosten

Dämmfunktion

Reduktion Wärmeverlust

  • Wärmedurchgang um 0,19W/m² reduziert

Regen­wasser­management

Rückhalt, Speicherung, Verdunstung

  • Entlastung Kanalsystem

Städte­bau

Nutzung von Restflächen

  • Ausgleichsfunktion zur Erhöhung des Anteils an Vegetationsflächen

Ästethik

  1. Aufwertung der Baustubstanz

Facts: Soziale Aspekte

  • Grünraum als Begegnungsraum
  • Allgemeinbefinden steigert sich
  • Reduktion von Kriminalität
  • Naturbewusstsein und –verbundenheit wachsen

Facts: Gesundheitliche Aspekte

  • Reduktion von kreislaufbedingten Krankheits- und Todesfällen allgemein (Bewegung) und während Hitzewellen (keine UHI mehr), Verringerung der Luft- und Oberflächentemperatur
  • Förderung der physischen Aktivität, Motivation (auch durch die Nähe zu Wohngebieten)
  • Natürliches Sonnenlicht beugt Schlafstörungen vor
  • Lärmreduktion und positive Veränderung der Geräuschkulisse (Vögel, Laubrascheln im Wind)
  • Verbesserung der Luftqualität (indirekter Gesundheitseinfluss)
  • Reduktion von Atemwegserkrankungen
  • Stressreduktion
  • Aufmerksamkeitsdefizite (z.B. ADHS) werden abgebaut
  • Mentale Gesundheit → weniger Depressionen, Angstgefühle

Daten und Trends

Daten und Fakten / Marktentwicklungen und Trends

Facts: Begrünungen wirken!
Klimawandelanpassung (Kühlung und Verschattung gegen Hitze, Regenwasserrückhalt gegen Starkregenereignisse), Reduktion von Umweltauswirkungen wie Lärm und Luftverschmutzung, Gesundheit und soziale Auswirkungen, ökonomische Vorteile, Artenvielfalt.

Laut den Prognosen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union werden bis 2020 75% der europäischen Population in Städten leben. Dies bedeutet 265 Millionen StadtbewohnerInnen (United Nations 2014). Die Mehrheit der Städte sind diesen Herausforderungen nicht gewachsen: Sie sind im Sommer zu heiß, trocken, verschmutzt und versiegelt – und dies bei enorm steigender Dichte. Neben neuen Stadtentwicklungsgebieten steigt dadurch der Druck auf stark verbaute innerstädtische Gebiete, im Kontext einer
ökologischen Sanierung Platz für Grünraume bereitzustellen. Im selben Atemzug sind jedoch auch Klimawandelprognosen zu berücksichtigen. Vermehrt extreme Witterungsereignisse wie Hitzewellen, Stürme und Starkregenereignisse, die es mit Grüner Infrastruktur in den Griff zu bekommen gilt (EEA 2012).

Der Markt für Urbane Grünflächen

Viele klare Anwendungsbeispiele zeigen das Vorhandensein eines globalen Marktes, der sich in den Bereichen Urban Farming (Indoor und Outdoor bis hin zu Plant Factories), Urban Gardening und Bauwerksbegrünung (Dach- und Fassadenbegrünung) gliedert. Von den Geschäftstypen muss hier auch klar unterschieden werden: vom Baugeschäft (Bauwerksbegrünung) bis hin zu DIY&NPO (Urban Gardening) über Gewerbliche Produktion (Urban Farming) bis hin zur industriellen Massenproduktion (Plant Factories). Die Entwicklung dieser Märkte ist jedoch sehr unterschiedlich. Als Marktbesonderheiten kommen die Komplexitätsfaktoren „Lebende“ Systeme, „Bezug zu menschlichen Grundbedürfnissen“ sowie „Multidisziplinarität als Innovationserfordernis“ ins Spiel.

Trendanalysen

Neben den globalen Megatrends wie Urbanisierung und Bevölkerungswachstum welche sich in Urban Countrification und New Urban Living Concepts wiederfinden wird bei näherer Betrachtung klar, dass sich das Innovationslabor vollkommen am „Puls der Zeit“ bewegt denn auch auf Städteebene sind klare Trends herauszulesen, so ist hier von Mega-Cities, Smart Cities, Resilient Cities bis hin zu Eco Cities heutzutage die Rede. Alle diese Konzepte stehen in direktem Zusammenhang mit Bauwerksbegrünung.
Ein weiterer entscheidender Faktor besteht in den von Zukunftsforschern identifizierten „NeoÖkologie“ oder auch „Sustainability“ des urbanen Lebens. Dieser von einer Nachhaltigkeitsgesellschaft geprägten Ansätze haben längt auch den Weg in die Geschäftswelt gefunden, klare Konzepte sind bereits auf Ebene der Corporate Social Responsability abzulesen (z.B. SCR Reports von großen Unternehmen). Eine weitere Steigerungsstufe ist der klare Trend hin zum „Social Business“, welcher sich auch auf Ebene der Green Tech, Low Tech, Green Building und Smart Home Ebene wiederfindet.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind klare Trends im Sektor Gesundheit. Neben den Teilaspekten Lebensqualität, Work-Life Balance spielt hier auch die Slow- Culture und Entschleunigung eine Rolle. Viele Leute machen sich über einen nachhaltigen Lebensstil Gedanken, eine begrünte Umgebung und deren Bezug zur eigenen Gesundheit und zum Wohlbefinden sowie der Produktivität am Arbeitsplatz und Identifikation mit der ArbeitgeberIn sind hier zu erwähnen, neben privaten Trends wie Bio-Lebensmitteln, Selbstversorgung und Regionalität.

Der Weg zur Begrünung

Übersicht Förderungen und Vorgaben

In Österreich stehen unterschiedliche Instrumente und Vorgaben zur Planung begrünter Gebäude bereit. Landesgesetze bilden die gesetzliche Grundlage für die überörtliche und örtliche Raumordnung und Raumplanung. Die Vollziehung der örtlichen Raumplanung fällt nach dem Bundesverfassungsgesetz in den eigenen Wirkungsbereich der Gemeinden. Es gelten die jeweiligen Vorgaben auf Ebene der Bebauungspläne, die durch Verordnungen festgelegt sind.

Die Planung von begrünten Gebäuden ist eingebettet in fachliche Konzepte: Biodiversity Strategie, UHI-Strategieplan der Stadt Wien, STEP, KLIP (Klimawandelanpassungsstrategie) etc.

Förderungen können in Wohnbauförderung eingebettet sein (beispielsweise Salzburg) direkt von der Stadt sein (Graz, Wien).

Die Önormen ÖNORM L1136 für vertikale Gebäudebegrünung (in Ausarbeitung) und ÖNORM L1131 für die Begrünung von Dächern und Decken stellen freiwillige Mindeststandards dar, die für die Bewilligung bestimmter Förderungen eingehalten werden müssen.

Weitere Regelwerke:

Sia SN 564 312 Dachbegrünung 2013
FLL Dachbegrünungsrichtlinie 2008
Fassadenbegrünungsleitfaden der Stadt Wien 2012 (Neuauflage!)
FLL Fassadenbegrünungsrichtlinie 2000 (Gelbdruck in Arbeit)

Kosten-Indikationen

Je nach Art des Systems ergeben sich für Gebäudebegrünungen sehr differenziert anfallende Kosten in der Anschaffung und der Pflege/Wartung. Der Preis für die Pflege wird durch folgende Einflussfaktoren beeinflusst: Zugänglichkeit, Wasseranschluss, Pflegeerfordernisse, Wartung, Pflegeintervall und Pflegevertrag. Durch eine im Vorfeld gut überlegte und intelligente Planung lassen sich diese stark reduzieren.

Die aufgewandten Kosten lassen sich unter anderem durch die Einsparung zusätzlicher Klimaanlagen oder Verschattungseinheiten gegenrechnen.
Wird ein Flachdach begrünt verlängert sich seine Lebensdauer um den Faktor 1,5 im Vergleich zu einem Flachdach ohne Begrünung. Kosten für Extensivbegrünungen beginnen bei ca 20 €/m2, für Intensivbegrünungen bei ca 60 €/m2., jeweils abhängig von den bautechnischen und standortlichen Voraussetzungen, der gewünschten Begrünungsform und Aufbauhöhen.
Im Jahr 2017 wurden etwa 25.100 neue Klimaanlagen mit einem Verkaufsvolumen von € 32 Mio. angeschafft. Die Investition in begrünte Fassaden und Dächer würde neben einer Kühlung der Gebäude auch viele weitere Vorteile bringen (Schutz der Bausubstanz, Regenwasserrückhalt, Lebensraum für Flora und Fauna, Reduktion von Feinstaub, Reduktion der Lärmbelastung, gesundheitlicher Nutzen für Menschen, …). Ein begrüntes Dach ist eben doch mehr, als die direkt messbaren monetären „Return of Investment“-Faktoren.

Rechtliche Rahmenbedingungen

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