ClimateCare – Grünbewertung für klimavulnerable Gruppen in urbanen Gebieten – Workshops liefern wichtige Grundlagen
Die Ergebnisse der Workshops fließen gemeinsam mit Umfrage-, Klima- und Satellitendaten in die weitere Analyse ein. Sie helfen dabei, hitzebelastete Standorte, Begrünungsbedarf und konkrete Anforderungen vulnerabler Gruppen besser zu erkennen.
„Climate Care – Klimaresiliente Stadtentwicklung“ – Workshops abgeschlossen
„Climate Care“ ist ein auf zwei Jahre angelegtes, von BMIMI und FFG gefördertes Analyseprojekt mit Laufzeit bis Ende Jänner 2028. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer Hotspot-Karte für ganz Österreich mit Fokus auf die zehn österreichische Pionier-Großstädte: Wien, St. Pölten, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Villach, Linz, Salzburg, Dornbirn und Wiener Neustadt. Die Karte soll sichtbar machen, wo klimaresiliente Stadtentwicklung besonders dringend erforderlich ist, mit Fokus auf Hitzeinseln, Grünraumqualität und der Versorgung vulnerabler Gruppen. Dazu zählen insbesondere Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, Kindergärten sowie Organisationen der Wohnungslosenhilfe. Mithilfe von Klima-, Satelliten-, Erdbeobachtungs- und offenen Geodaten soll ein Grün-Index entwickelt werden, der unter anderem Vegetationstypen, Verschattung, Versiegelung und Grünraumversorgung berücksichtigt. Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Analyse- und Grundlagenprojekt; eine operative Umsetzung baulicher Maßnahmen ist nicht Teil des Vorhabens.
Inhalte und zentrale Diskussionen des Workshops
Ziel der Workshops in den vergangenen Wochen war es, fachliche Perspektiven, Praxiserfahrungen und Anforderungen aus Städten, Forschungseinrichtungen und sozialen Organisationen zusammenzuführen, um die weitere Projektentwicklung zu unterstützen.
Im Workshop wurde deutlich, dass eine rein quantitative Betrachtung, etwa über Radien oder Entfernungen zu Grünflächen, nicht ausreicht. Zwar zeigen erste Einschätzungen, dass Grünräume für Kindergärten und Pflegeeinrichtungen möglichst in einer Entfernung von unter 100 bis 300 Metern erreichbar sein sollten. Gleichzeitig wurde betont, dass neben der Distanz auch qualitative Faktoren entscheidend sind. Dazu gehören etwa Barrierefreiheit, Sicherheit, Wegqualität, Verschattung, Aufenthaltsqualität und die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie „Hotspots“ methodisch definiert und gewichtet werden sollen. Offen ist unter anderem, welche Kriterien in die Bewertung einfließen, wie Tag- und Nacht-Effekte von Hitze unterschieden werden können und wie subjektive Aspekte wie Wohlbefinden oder die psychische Wirkung von Grünräumen abgebildet werden können. Die Methodik soll bis Ende Juli 2026 weiter konkretisiert werden.
Auch die Datenlage wurde ausführlich diskutiert. Das Projektteam plant, Klimadaten von Geosphere Austria, Erdbeobachtungsdaten wie Copernicus und Sentinel-2, Orthofotos sowie offene Datenquellen wie OpenStreetMap und Open-Government-Daten zusammenzuführen. Als Herausforderung wurde die sehr unterschiedliche Datenverfügbarkeit in den einzelnen Städten genannt. Hochaufgelöste Detailanalysen auf Basis von Orthofotos werden daher voraussichtlich nur für ausgewählte Hotspots möglich sein.
Zentrale Herausforderungen
Im Workshop wurden mehrere offene Punkte identifiziert, die für den weiteren Projekterfolg wesentlich sind. Dazu zählen vor allem die genaue methodische Definition von Hotspots, die Harmonisierung unterschiedlicher städtischer Datensätze und die systematische Einbindung qualitativer Faktoren. Ebenso wurde die Frage diskutiert, wie Projektergebnisse später in bestehende städtische Programme und Planungsprozesse integriert werden können.
Ein besonderes Spannungsfeld liegt in der Finanzierung und Zuständigkeit. Bei vielen Einrichtungen sind Betreiber und Gebäudeeigentümer nicht identisch. Häufig liegen bauliche Zuständigkeiten bei Gemeinden, während soziale Träger den laufenden Betrieb verantworten. Dadurch entstehen Finanzierungslücken und Abstimmungsbedarfe, insbesondere bei Maßnahmen wie Gebäudebegrünung, Beschattung oder baulichem Hitzeschutz.
Darüber hinaus wurde auf das Risiko der „grünen Gentrifizierung“ hingewiesen. Grünraumaufwertungen können zwar wesentlich zur Klimaanpassung beitragen, müssen aber sozial gerecht gestaltet werden, damit sie nicht zu Verdrängungseffekten führen.
Die Workshops zeigten deutlich, dass klimaresiliente Stadtentwicklung nicht allein eine technische oder planerische Aufgabe ist. Entscheidend ist die Verbindung von Datenauswertung, sozialer Perspektive und lokaler Praxiserfahrung. „Climate Care“ bietet dafür einen wichtigen Rahmen, indem es Hitze, Grünraumversorgung und Vulnerabilität gemeinsam betrachtet.
Nächste Schritte
Als nächster Schritt wird eine digitale Umfrage über ein Bürgercockpit fertiggestellt und ausgesendet. Die Rückmeldungen aus den Workshops und der Umfrage werden anschließend mit Klima- und Satellitendaten zusammengeführt. So sollen gute Praxisbeispiele sowie Gebäude und Standorte erkannt werden, bei denen besonders großer Bedarf an Begrünung und Klimaanpassung besteht.
Darauf aufbauend sind Vor-Ort-Gespräche und qualitative Interviews mit Betroffenen in den zehn Pionier-Großstädten geplant. Sie sollen helfen, die datenbasierten Analysen zu überprüfen und die konkreten Anforderungen aus der Praxis besser zu verstehen.
Für die kommenden Projektphasen ist es besonders wichtig, die Methodik klar festzulegen, den Zugang zu relevanten Daten zu sichern und die Zusammenarbeit mit Städten, sozialen Einrichtungen und betroffenen Gruppen weiter zu vertiefen. Parallel dazu werden Kooperationen mit Städten, Forschungspartnern und weiteren Netzwerken ausgebaut, damit die Projektergebnisse später gut in kommunale Planungs- und Umsetzungsprozesse eingebunden werden können.
Denn klimafitte Städte entstehen nicht nur durch mehr Grün, sondern durch Grün, das dort wirkt, wo Menschen es am dringendsten brauchen.

