Nachbericht: Exkursion zum „Stadtregal“ – Kreislaufwirtschaft im Wohnbau (21.01.2026)
Am 21. Januar 2026 führte uns eine Exkursion in das Projekt „Stadtregal“ im Quartier „Village im Dritten“ (Adolf-Blamauer-Gasse 11, 1030 Wien) zu unserem von der FFG geförderten F&E Projekt SAVE.
Im Fokus stand die Frage, wie Kreislaufwirtschaft, klimaangepasste Architektur und grüne Infrastruktur im geförderten Wohnbau praktisch (und leistbar) umgesetzt werden können – und welche Learnings sich daraus für Planung, Betrieb und Skalierung ableiten lassen.
Station 1: Architektur, Freiräume und klimaangepasste Bauweise
Beim Rundgang durch das Gebäude wurden zentrale Maßnahmen sichtbar, die ökologische und soziale Qualität verbinden: Dachgärten und Fassadenbegrünung, Gemeinschaftsterrassen, robuste Materialität und ein Innenhof als Klimapuffer. Auch die energetischen Komponenten (u. a. Photovoltaik, über 200 Erdsonden, Wärmerückgewinnung aus Abwasser) zeigen, wie sich Komfort und Ressourcenschonung zusammendenken lassen – ohne auf klassische Klimaanlagen zu setzen.
Station 2: Kreislauf-Sanitär – Urinseparation „save!“ und lokale Aufbereitung
Ein Highlight der Exkursion war die Urintrennung an der Quelle: Mehrere Wohnungen sind mit Urin-Trenn-WCs („save!“) ausgestattet. Der getrennt erfasste Urin wird im Kellergeschoss gesammelt, gemessen, pasteurisiert und anschließend als Dünger für Begrünungsflächen im Wohnumfeld genutzt. So wird Kreislaufwirtschaft im Alltag erlebbar – inklusive Monitoring, Wartungslogik und Nutzer:innen-Kommunikation.
Besonders spannend waren die Diskussionen zu Genehmigung, Hygiene, Betrieb und Akzeptanz: Die Umsetzung zeigt, dass Kreislauf-Sanitär technisch machbar ist, jedoch auch Regulatorik, Produktzulassung und Betriebsprozesse früh mitgedacht werden müssen, damit aus einem innovativen Piloten ein skalierbarer Standard werden kann.
Station 3: Grüne Infrastruktur – Begrünung und Bewässerung als System
Die grün-blaue Infrastruktur des Projekts wurde als Gesamtsystem betrachtet: Fassaden- und Dachbegrünung, Substrate, Pflegekonzepte, Mikroklimaeffekte sowie die Frage, wie Bewässerung und Düngung im realen Betrieb funktionieren könnten. Messungen und Erfahrungen aus der Praxis verdeutlichen, dass Begrünung wirksam ist – aber nur dann langfristig funktioniert, wenn Schnittstellen zur Technik, Wartung und Nutzer:innen-Information gut organisiert sind.
Stimmen aus der Exkursion:
Im gemeinsamen Austausch wurden zentrale Haltungen zur Transformation greifbar – etwa:
„Kreislaufwirtschaft denkt nicht in einzelnen Investitionen, sondern in funktionierenden Stoffströmen über Zeit.“
„Das Besondere an der Toilette ist, dass die Urinpräparation unsichtbar ist.“
„Wenn man Kreislaufwirtschaft denkt, dann ist der Use-Case eigentlich machbar.“
Die Exkursion zum Stadtregal zeigte eindrucksvoll, wie innovative Sanitärsysteme, Energie- und Begrünungskonzepte zusammenwirken können – und welche Rahmenbedingungen entscheidend sind, um solche Ansätze in die Breite zu bringen: Standardisierung, klare Betriebsroutinen, transparente Kommunikation und eine frühe Einbindung von Zulassungsstellen.
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