ÖNORM B 1131 veröffentlicht – Meilenstein für die Bauwerksbegrünung
Österreich setzt neue Maßstäbe für Dachbegrünungsstandards im Bauwesen als einzige Norm in Europa und ersetzt die ehemalige L 1131
Wien, 15. April 2026. Österreich baut seine Vorreiterrolle in der EU bei Begrünungsstandards weiter aus und gibt damit auch künftig die Richtung vor: Mit der Veröffentlichung der ÖNORM B 1131 – Begrünung von Dächern und Decken auf Bauwerken (Anforderungen an Planung, Ausführung, Pflege) wird Bauwerksbegrünung erstmals verbindlich im Bauwesen verankert. Als einziges EU-Land mit eigenen Normen für Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung schafft Österreich damit eine durchgängige Grundlage für Planung und Umsetzung. Nach fünf Jahren intensiver Überarbeitung liegt jetzt ein Regelwerk vor, das aktuelle Entwicklungen wie Solargründächer, Retentionslösungen und biodiversitätsfördernde Systeme systematisch integriert und damit zentrale Anforderungen an klimaangepasstes Bauen klar definiert.
Bauwerksbegrünung wird fixer Bestandteil
Mit der neuen ÖNORM B 1131 (Herausgeber: Austrian Standards International) wird Bauwerksbegrünung zum ersten Mal direkt im Bauwesen verankert. Der Wechsel von der bisherigen L Norm zur B Norm ist dabei mehr als ein formaler Schritt. Begrünte Dächer und Decken werden nicht länger als Zusatz behandelt, sondern als integraler Bestandteil der Planung, Ausschreibung und Ausführung mit klar definierten Anforderungen über alle Projektphasen hinweg. Die Norm baut auf einer österreichweiten Entwicklung auf, die seit Jahren vorangetrieben wird, von der ONR 121131 im Jahr 2002 über die ÖNORM L 1131 im Jahr 2010 bis hin zur aktuellen B Norm 2026. „Mit der neuen ÖNORM B 1131 schaffen wir einen neuen Stand der Technik, auf dem Qualität in der Bauwerksbegrünung einheitlich geplant, umgesetzt und bewertet werden kann. Sie ist zugleich die Basis für unsere weiterentwickelten Zertifizierungen von Produkten und Betrieben und sorgt für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit im Markt“, betont Martin Haas, Vorstandsvorsitzender des Verbands für Bauwerksbegrünung und Geschäftsführer von HAAS Garten- und Landschaftsbau GmbH.
Mit dem Inkrafttreten am 15. April beginnt nun die entscheidende Phase: die Anwendung in der Praxis. GRÜNSTATTGRAU übernimmt dabei eine zentrale Rolle, von der Wissensvermittlung über Weiterbildungen bis hin zur Unterstützung von Städten, Gemeinden und Förderstellen. „Die neue ÖNORM B 1131 ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist jetzt, dass sie in der Praxis ankommt. Wir unterstützen bei der Umsetzung und sind Bindeglied zwischen Bauwesen und Begrünungsbranche“, erklärt DI Susanne Formanek, Geschäftsführerin von GRÜNSTATTGRAU.
Ein Regelwerk mit nationaler und EU-weiter Signalwirkung
Im europäischen Vergleich nimmt Österreich bei Begrünungsstandards eine Sonderstellung ein.
Als einziges EU-Land existieren eigenständige Normen für Dach, Fassaden und Innenraumbegrünung und damit ein durchgängiger Rahmen für Bauwerksbegrünung am, auf und im Gebäude. „Hinsichtlich Begrünungsstandards nehmen wir innerhalb der EU eine klare Vorreiterrolle ein. Die neue ÖNORM B 1131 definiert den Stand der Technik für zukunftsfitte, multifunktionale Gründächer und bildet aktuelle Trends und Entwicklungen systematisch ab“, ordnet DI Christian Oberbichler, Arbeitsgruppenleiter der AG 227.19 und Geschäftsführer der DACHGRÜN GmbH, ein.
Was ändert sich konkret auf Österreichs Dächern:
Mehr Sicherheit in der Planung
Die neue ÖNORM B 1131 bringt klare Vorgaben für zentrale Anforderungen in Planung und Umsetzung. Dazu zählt vor allem das definierte Brandverhalten aller Dachbegrünungskategorien, das zusätzliche Sicherheit in der Brandschutzplanung schafft und bestehende Unsicherheiten reduziert.
Multifunktionelle Nutzungen werden Standard
Solargründächer sind nun ebenso standardisiert wie Retentionsgründächer, die aktuell noch als Sonderbauweise gelten, aber bereits als wichtiger Baustein für das Regenwassermanagement gelten.
Technische Anforderungen für die Umsetzung
Anforderungen an Substrate und Dränschichten wurden vereinfacht und präzisiert, Prüfmethoden klar geregelt und an die Praxis angepasst, sowohl in der Herstellung als auch nach der Ausführung, mit direktem Bezug zu bestehenden Zertifizierungen.
Mehr Klarheit im Detail, angepasst an den Klimawandel
Zusätzlich definiert die Norm konkrete Anforderungen an Ausführungsdetails wie vegetationsfreie Streifen bei Dachrändern sowie Ausnahmen für kleinere Flächen. Gleichzeitig wird der Mindeststandard für Dachbegrünung neu festgelegt, mit einer Mindestaufbauhöhe des extensiven Gründaches von 10 cm und mindestens 8 cm Substrat, während reduzierte Varianten künftig nicht mehr als Standard gelten.
Stärkerer Fokus auf Biodiversität
Die Norm stärkt den Einsatz entsprechender Elemente, die Kombination unterschiedlicher Begrünungstypen sowie die Verwendung standortgerechter, heimischer Pflanzen.
„Entscheidend ist, dass die Norm die steigende Komplexität in der Praxis gut abbildet. Sie schafft eine bessere Orientierung für alle Beteiligten und ermöglicht es, auch anspruchsvollere Projekte sicher und nachvollziehbar umzusetzen“, sagt DI Katharina Mauss, Prokuristin von GRÜNSTATTGRAU
Gemeinsam für zukunftsgerichtete Standards
Die Überarbeitung entstand in einem breiten Prozess mit Expert:innen aus Planung, Ausführung, Produktentwicklung, Forschung sowie angrenzenden Bereichen – von Dachabdichtung über Solartechnik bis hin zu Substratentwicklung und Pflege. „Die neue ÖNORM ist das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit über viele Jahre hinweg. Unser besonderer Dank gilt allen Mitwirkenden, insbesondere den Fachausschussleiter:innen DI Gundula Dyk, DI Werner Sellinger, Peter Amann und Ing. Stefan Brunnauer sowie DI Christian Oberbichler als Arbeitsgruppenleiter und Hans Heider als Vorsitzendem des Austrian Standard Komitees. Dieses gemeinsame Know-how und die gemeinsame Herangehensweise macht diese Norm so tragfähig für die Umsetzung in der Praxis“, unterstreicht DI Susanne Formanek, Geschäftsführerin von GRÜNSTATTGRAU.
Der Rahmen steht, jetzt beginnt die Umsetzung
Mit der ÖNORM B 1131 liegt erstmals ein durchgängiger Qualitätsstandard für die Bauwerksbegrünung im Bauwesen vor. „Damit ist klar definiert, wie Planung sowie Umsetzung künftig aussehen müssen. Jetzt geht es darum, diese Standards in die Praxis zu bringen und Bauwerksbegrünung in Österreich breiter zu realisieren. Genau darin liegt die Chance für die nachhaltige Entwicklung unserer Branche“, bringt Martin Haas es abschließend auf den Punkt.
Praxisstart: Schulungen zur neuen ÖNORM B 1131
Begleitend zur Veröffentlichung der Norm bieten GRÜNSTATTGRAU und der Verband für Bauwerksbegrünung Weiterbildungen und Online-Seminare zu den Neuerungen an. Am 8. und 29. Juni 2026 geben Mitglieder der Arbeitsgruppen praxisnahe Einblicke in die Inhalte der Norm. Von 30. Juni bis 3. Juli 2026 findet zudem die aktualisierte GRÜNSTATTGRAU Weiterbildung zur Bauwerksbegrünung statt, die Grundlagen zu Dach, Fassaden und Innenraumbegrünung sowie rechtliche und technische Aspekte vermittelt. Die modular aufgebauten Formate kombinieren Theorie und Praxis und können je nach Schwerpunkt individuell zusammengestellt werden.
Weitere Informationen: https://gruenstattgrau.at/leistungen/weiterbildung/
Der Verband für Bauwerksbegrünung (VfB) vereint Unternehmen und Institutionen, die sich mit qualitativ hochwertigen Begrünungen auf Gebäuden beschäftigen – von Planung, Herstellung und Umsetzung bis hin zu Pflege und Wartung. Dazu zählen Industriebetriebe, Gewerbetreibende, Stadtverwaltungen, Fachverbände, Prüfinstitute sowie Architekt:innen und weitere Akteur:innen. Der Verband besteht seit 1991, hat über 80 Mitglieder und ist Eigentümer des Innovationslabors GRÜNSTATTGRAU.
Weitere Informationen unter https://gruenstattgrau.org
GRÜNSTATTGRAU ist eine zentrale Kompetenzstelle für Bauwerksbegrünung und vernetzt Akteur:innen aus öffentlicher Hand, Wirtschaft und Forschung. Ziel ist es, Innovationen für die grüne und klimafitte Stadt in die Umsetzung zu bringen, Wissen zu bündeln und den Austausch von Best Practices zu fördern. Im Fokus steht die Weiterentwicklung von Technologien und Dienstleistungen, deren Leistbarkeit sowie die breite Anwendbarkeit in der Praxis sowie den Wissenstransfer zu forcieren. Gleichzeitig trägt GRÜNSTATTGRAU zur Qualitätssicherung bei und stärkt das Bewusstsein für die Potenziale begrünter Gebäude im Kontext von Klimawandel und Energie.
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