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BRANDSCHUTZ

Brandschutz bei Gebäudebegrünungen

In vielen Fällen wird der Brandschutz als ein Hindernis für die Begrünung von Gebäuden genannt. In diesem Artikel werden der Stand der Technik und die Gestaltungsmöglichkeiten zusammengefasst.


Um Klarheit und Kenntnis über das Brandverhalten von Fassadenbegrünungen und Dachbegrünungen zu schaffen, wurden seit 2018 bereits einige Studien vom Bauphysiklabor der MA 39 in Wien (Werner et al., 2021; Werner et al., 2018, 2020) und der Technischen Universität München (Engel et al., 2025; Engel & Werther, 2024) durchgeführt. 

Diese Ergebnisse zeigten: 

  • Der Feuchtigkeitsgehalt der Kletterpflanzen ist der entscheidende Faktor für ihr Brandverhalten. Bei vitalen, gepflegten Pflanzen hat die Pflanzenart keinen signifikanten Einfluss.  
  • Gepflegte und vitale Pflanzen zeigen kaum eine horizontale Brandausbreitung und sind selbst verlöschend. 
  • Der kritischste Fall wird über ungepflegte und ausgetrocknete Pflanzen mit einem hohen Anteil an Totholz beschrieben.  
  • Regelmäßige Pflege und Wartung stellen den Schlüssel zu einer brandsicheren und langlebigen grünen Fassade dar.  
  • Bei Gebäuden der Gebäudeklasse 1 bis 3 ist gemäß der OIB-Richtlinie 2 bzw. der ersten drei oberirdischen Geschosse gemäß Brandschutzrichtlinie der KSB nur ein Nachweis der Klasse des Brandverhaltens der verwendeten Materialien, ausgenommen von den Pflanzen anzuführen. (Eder, 2023; OIB-Richtlinie 2: Brandschutz, 2023/OIB-330.2-029/23) 
  • Bei höheren Gebäuden (Gebäudeklasse 4 und 5) kann gemäß OIB-Richtlinie 2 eine Brandweiterleitung nach oben wirksam durch Brandabschottungen, Abstände zu Öffnungen und entsprechende Pflegemaßnahmen eingeschränkt werden. (Eder, 2023; OIB-Richtlinie 2: Brandschutz, 2023/OIB-330.2-029/23) Nachweisfreie Ausführungen sind zudem in der KSB Richtlinie (2023) angeführt. 

Allgemein gelten für Fassadenbegrünungen die Anforderungen der OIB-Richtlinie 2 zum Thema Brandschutz. In Wien gelten ergänzend die Richtlinien der Kompetenzstelle Brandschutz (KSB) der Stadt Wien. Anforderungen an die  Pflegemaßnahmen sind in der ÖNORM L 1136 für vertikale Begrünungen festgelegt. Eine Möglichkeit für Brandschutzvorkehrungen bei Fassadenbegrünungen stellen umlaufende Brandabschottungen bei Fenstern, wie in Abbildung 1 zu sehen, dar, die eine vollflächige Begrünung mit Selbstklimmern auf Fassaden ohne Wärmedämmung ermöglichen. Mit der Einhaltung von Abständen zu Fensteröffnungen, Dachkonstruktionen und Balkonen kann der Brandweiterleitung ebenfalls entgegengewirkt werden. 

Fassadenbegrünung umlaufende Brandabschottung bei Fenstern ©Eder, 2023
Fassadenbegrünung Brandabschottung unmittelbar über oder unter Fenster © Eder, 2023

Beispielhafte Skizzen von Brandabschottungen, weitere Ausführungsmöglichkeiten zu finden in Fassadenbegrünung brandschutztechnische Anforderungen

Gründächer sind widerstandsfähig gegen Feuer von außen und stellen keine erhöhte Brandgefahr dar. Diese Erkenntnis und andere Regelungen in Bezug auf die Brandschutzvorkehrungen für Dachbegrünungen sind in den folgenden Punkten zu lesen.  

  • Extensive Dachbegrünungsaufbauten werden in Deutschland als „Harte Bedachung“ nach DIN 4102-04 anerkannt und gelten als widerstandsfähig gegen Flugfeuer und strahlende Wärme. Anforderungen wie vegetationsfreie Streifen bei An- und Abschlüssen, geringer organischer Anteil, Mindestschichtdicken etc. müssen eingehalten werden. „Intensive Dachbegrünungen gelten als Bedachungen, die gegen Flugfeuer und strahlende Wärme wider­standsfähig sind.“ 
  • Dachbegrünungsaufbauten wurden teilweise bereits produktspezifisch durch Brandversuche nach DIN EN 13501-5 als BRoof (t3) zertifiziert (Appl). Viele Brandversuche wurden bereits unter Einhaltung der deutschen Anforderungen geprüft und haben erfolgreich die Tests bestanden. Diese Erkenntnisse gilt es auch nach Österreich zu übertragen, um sowohl extensive als auch intensive Dachbegrünungen als brandschutztechnisch unproblematisch zu definieren.  
  • Gründächer in Kombination mit PV-Anlagen stellen keine erhöhte Brandgefahr dar. 
  • Extensive Dachbegrünungen ausgeführt nach ÖNORM L 1131 werden gleichwertig zu einer 5 cm dicken Kiesschicht unter PV-Anlagen eingestuft. Dies wurde im Zuge eines durchgeführten Brandversuchs der Kompetenzstelle Brandschutz in Kooperation mit GRÜNSTATTGRAU festgestellt. (Eder & Markouschek, 2025) 
  • Das Substrat der Gründächer trägt nicht zur Entflammung beisondern hemmt die Ausbreitung des Feuers 
  • Unter anderem wurden auch produktspezifische Brandversuche von ZinCo und Optigrün  durchgeführt. 
Auch mit aufgelegter Vegetationsmatte wurde der Test bestanden; die Brandsätze erloschen nach 12 Minuten, ohne dass die Vegetation Feuer fing (C) ZinCo
Brandtest PV-Gründach (C) Optigrün

Die vorliegenden Studien und Versuchsergebnisse zeigen, dass Gebäudebegrünungen bei fachgerechter Planung, Ausführung und Pflege kein erhöhtes Brandrisiko darstellen. Entscheidend für den Brandschutz ist der Pflegezustand der Begrünung: Vitale, ausreichend feuchte Pflanzen sind weitgehend selbst verlöschend und zeigen kaum Brandausbreitung, während ungepflegte und ausgetrocknete Vegetation kritisch ist. Durch regelmäßige Wartung, geeignete Brandabschottungen bei höheren Gebäuden sowie die Einhaltung relevanter Normen und Richtlinien kann der Brandschutz wirksam gewährleistet werden. Auch Dachbegrünungen gelten als brandsicher, hemmen die Feuerweiterleitung und sind selbst in Kombination mit Photovoltaikanlagen unbedenklich. Dies gilt es auch noch in österreichischen Richtlinien und Bauordnungen angelehnt an die Erkenntnisse aus Deutschland zu integrieren. 

 

Gebäudebegrünung ist kein brandschutztechnisches Risiko, sondern bei richtiger Pflege und normgerechter Ausführung eine sichere und zulässige Bauweise. 

 

Literaturverzeichnis 

Appl, R. Neue Brandschutz-Untersuchungen an begrünten Dächern. https://www.zinco.de/brandschutz-untersuchungen 

Eder. (2023). Fassadenbegrünung: Brandschutztechnische Anforderungen. https://www.wien.gv.at/pdf/ma37/fassadenbegruenung.pdf 

Eder & Markouschek. (2025). Errichtung von Fotovoltaikanlagen (PV-Anlagen). https://www.wien.gv.at/pdf/ma37/rl-pv-anlagen-2024.pdf 

Engel, T., Kahler, J., Duthweiler, S. & Winter, S. (2025). Schlussbericht FireSafeGreen – Untersuchung der brandschutztechnischen Anwendbarkeit von begrünten Fassaden an mehrgeschossigen Gebäuden. https://doi.org/10.14459/2024md1759976 

Engel, T. & Werther, N. (2024). Fire Safety for Green Façades: Part 1: Basics, State-of-the-Art Research and Experimental Investigation of Plant Flammability. Fire Technology60(3), 2177–2230. https://doi.org/10.1007/s10694-024-01566-0 

Marketing-Abteilung der Optigrün international AG. Brandschutz auf Solargründächern. https://www.optigruen.de/fachthemen/brandschutz 

OIB-Richtlinie 2: Brandschutz (2023 & i.d.F.v. OIB-330.2-029/23). https://www.oib.or.at/wp-content/uploads/richtlinien/richtlinie_2023/oib-rl_2_ausgabe_mai_2023.pdf 

Werner, D., Pommer, G., Goubran, V., Danzinger, K. & Grüner, E. (2021). Studie zum Thema „Brandverhalten von Grünfassaden in großmaßstäblichen Versuchen“. https://www.wohnbauforschung.at/index.php?id=512  

Werner, D., Pommer, G. & Pomper, S. (2018). Studie zum Thema „Brandverhalten von Grünfassaden in großmaßstäblichen Versuchen“. https://www.wohnbauforschung.at/index.php?id=480  

Werner, D., Pommer, G. & Pomper, S. (2020). Zweite Studie zum Thema „Brandverhalten von Grünfassaden in großmaßstäblichen Versuchen“. https://www.wohnbauforschung.at/index.php?id=502  


Dezember 2025

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