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KRAISBAU

KRAISBAU: Finanzierung für die Bauwende – fünf strategische Hebel

Die technischen Lösungen für zirkuläres Bauen sind bereits vorhanden. Um sie aus der Nische in die Breite zu bringen, braucht es vor allem Investitionen und ein wirtschaftlich attraktives Umfeld. Beim KRAISBAU-Finanzierungsdialog wurden fünf strategische Hebel diskutiert, die dazu beitragen können, die Finanzierung zirkulärer Bauprojekte zu verbessern.


Wiederverwendbare Gipskartonplatten, modulare Holzbausteine und gebrauchte Fliesen zeigen, dass zirkuläre Lösungen bereits heute am Markt erhältlich sind. Unternehmen wie Sedlak, TRIQBRIQ und Concular haben gezeigt, dass zirkuläre Geschäftsmodelle in der Baubranche erfolgreich sein können.

Beim KRAISBAU-Finanzierungsdialog kamen Vertreter der Bau- und Finanzbranche, Expert und Forschende zusammen, um die größten Hürden und mögliche Lösungsansätze für die Finanzierung der Bauwende zu identifizieren. Bereits im Vorfeld durchgeführte 18 Expert zeigten, dass die Herausforderungen weniger auf technischer Ebene liegen, sondern vor allem in den Markt- und Bewertungsstrukturen.

Bislang konzentriert sich die EU-Taxonomie im Gebäudesektor überwiegend auf die Energieeffizienz während der Betriebsphase. Standardisierte Kennzahlen für den Materialeinsatz und die Kreislauffähigkeit von Baustoffen sind hingegen kaum etabliert. Auch Materialrestwerte und mögliche Erlöse aus der Wiederverwendung werden bisher nur unzureichend berücksichtigt. Fehlende Qualitäts- und Zertifizierungssysteme für aufbereitete Bauteile erhöhen zusätzlich die Haftungs- und Bewertungsrisiken für Banken und Investor.

Fünf strategische Hebel für die Finanzierung der Bauwende

1. Digitale Materialpässe

Verbaute Materialien besitzen einen wirtschaftlichen Wert. Um diesen sichtbar und bewertbar zu machen, werden Informationen über Zusammensetzung, Menge, Alter, Zustand und Rückbaupotenziale benötigt. Digitale Materialpässe können relevante Gebäudedaten über den gesamten Lebenszyklus verfügbar machen.

Mit der geplanten OIB-Richtlinie 7 „Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“ sollen Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit systematisch im österreichischen Baurecht verankert werden. Dadurch entstehen zusätzliche Grundlagen für die Bewertung von Gebäuden durch Banken und Investor.

2. Integration in die Immobilienbewertung

Die Erfassung und Bewertung von Materialwerten ist ein erster Schritt. Langfristig können diese Informationen auch in die Bewertung von Immobilien und Immobilienportfolios einfließen. Voraussetzung dafür sind transparente Datengrundlagen, standardisierte Bewertungsmethoden sowie anerkannte Nachweis- und Zertifizierungssysteme.

3. Reform der Wohnbauförderung

Die Wohnbauförderung zählt zu den wirksamen Steuerungsinstrumenten im österreichischen Bausektor. Werden Fördermittel stärker an Kriterien wie Rückbaubarkeit, Wiederverwendungsquoten oder den Einsatz von Sekundärbaustoffen geknüpft, kann dies die wirtschaftliche Attraktivität kreislauffähiger Bauweisen erhöhen.

4. Rechtssicherheit und Versicherungslösungen

Haftungsrisiken sind ein wesentliches Hindernis für den Einsatz von Sekundärbaustoffen und wiederverwendeten Bauteilen. Standardisierte Zertifizierungen, Materialpässe und geeignete Versicherungsprodukte können dazu beitragen, diese Risiken zu reduzieren.

5. Einheitliche Kriterien für Banken

Die Finanzierung zirkulärer Gebäude erfordert einheitliche Bewertungsstandards. Faktoren wie Rückbaubarkeit, Wiederverwendungspotenziale, Materialpässe und Materialrestwerte sollten dabei auch in Risikobewertungen berücksichtigt werden. Lebenszykluskostenanalysen (Life Cycle Cost Analysis, LCCA) können helfen, den Wert und die Kostenentwicklung eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus transparenter darzustellen.

Künstliche Intelligenz als Unterstützung für zirkuläres Bauen

Ein weiterer technologischer Ansatz ist der Einsatz künstlicher Intelligenz, um Datenlücken zu schließen und die Erstellung digitaler Zwillinge zu beschleunigen. Im Rahmen von KRAISBAU arbeiten verschiedene Projektpartner an den dafür notwendigen Lösungen.

Joanneum Research Digital beschäftigt sich mit der Erfassung von Bauelementen. Fraunhofer Austria untersucht, wie Gebäudemodelle automatisiert mit zusätzlichen Daten vervollständigt werden können. Cloud NYNE stellt mit Sensorik und Software eine Datengrundlage bereit, indem Punktwolken von Objekten nahezu in Echtzeit erzeugt und verarbeitet werden. Darüber hinaus wird im Rahmen von KRAISBAU an automatisierten Taxonomie-Prüftools für Einreichunterlagen gearbeitet.

Einblicke aus Finanzierung und Praxis

Beim Finanzierungsdialog wurden auch die EU-Taxonomie, die Perspektive klassischer Immobilienfinanzierer und die Rolle öffentlicher Förder- und Finanzierungsinstrumente thematisiert.

Martin Ramsauer von der ÖGNI hob die Bedeutung der EU-Taxonomie für bessere Finanzierungskonditionen hervor. Peter Stellnberger von der Raiffeisen Bank erläuterte die Anforderungen klassischer Immobilienfinanzierer und die zunehmende Bedeutung nachhaltiger Bestands- und Neubauprojekte. Simon Pumberger von der Austria Wirtschaftsservice (aws) zeigte auf, wie Garantien, Kredite und Eigenkapital Risiken reduzieren können.

Als Praxisbeispiel wurde das Start-up TRIQBRIQ genannt, das mit wiederverwendbaren, modularen Holzbausteinen und Unterstützung der aws den Markteintritt in Österreich realisieren konnte.

Die Diskussion zeigt, dass für die Finanzierung der Bauwende nicht allein technische Innovationen entscheidend sind. Auch transparente Materialdaten, nachvollziehbare Bewertungsstandards, geeignete Versicherungslösungen und passende Finanzierungsinstrumente spielen eine wichtige Rolle dabei, zirkuläre Bauweisen stärker am Markt zu etablieren.


Oktober 2026

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