BUGG Weltkongress 2026
Von 9. bis 11. Juni 2026 wurde Berlin zum internationalen Treffpunkt für Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung. Der BuGG Weltkongress Gebäudegrün zeigte eindrucksvoll: Gebäudebegrünung ist längst nicht mehr nur gestalterisches Extra, sondern ein zentraler Baustein für klimaresiliente, gesunde und zukunftsfähige Städte.
Der Weltkongress Gebäudegrün 2026 brachte über 700 Fachleute aus Planung, Forschung, Verwaltung, Industrie und Politik zusammen. Das Programm umfasste Vorträge, parallele Themenblöcke, Fach- und Posterausstellungen sowie Exkursionen zu Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungen in Berlin. Die Vorträge wurden auf Deutsch und Englisch gehalten und simultan übersetzt; am dritten Tag standen fachkundig begleitete Exkursionen im Mittelpunkt.
Schon der Kongressauftakt machte deutlich, wie stark sich das Themenfeld professionalisiert hat: Rund 81 Vorträge, etwa 50 Aussteller sowie zahlreiche Kongress- und Medienpartner bildeten einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse und Umsetzungsstrategien. Im Zentrum stand die Frage, wie Gebäudegrün vom Pilotprojekt in die breite Anwendung kommt — technisch sicher, wirtschaftlich darstellbar und politisch verankert.
Vom grünen Add-on zur urbanen Infrastruktur
Eine der zentralen Botschaften des Kongresses war: Gebäudegrün muss als Infrastruktur verstanden werden. Dach- und Fassadenbegrünungen leisten Beiträge zur Kühlung, Biodiversität, Regenwasserbewirtschaftung, Feinstaubbindung, Energieeffizienz und Aufenthaltsqualität. Damit werden sie zu einer Antwort auf urbane Hitzeinseln, Starkregen, Flächenversiegelung und den steigenden Druck auf öffentliche Räume.
Diskutiert wurde das Schwammstadt-Prinzip: Regenwasser soll nicht möglichst schnell abgeleitet, sondern gespeichert, genutzt und verdunstet werden. Berlin wurde dabei als Beispiel für großes Ausbaupotenzial genannt — trotz bereits mehr als 20.000 begrünten Dächern ist der Anteil begrünter Dachflächen weiterhin gering. Gleichzeitig zeigen kommunale Förderprogramme, gesetzliche Vorgaben und neue Bewertungsansätze, dass Gebäudebegrünung zunehmend in Verwaltung, Planung und Regulierung ankommt.
Neue Grundlagen für Planung, Qualität und Finanzierung
Ein wichtiger fachlicher Impuls war die aktualisierte Broschüre „Gebäudebegrünung – zukunftsfähige Lösungen für Klima und Stadt“. Sie bündelt 20 Jahre Erfahrung und erweitert den Blick von Energieeffizienz auf Klima, Stadtentwicklung, EU-Taxonomie, Planung, Wirtschaftlichkeit, Recht, Pflege und Wartung. Damit wird deutlich: Gute Gebäudebegrünung beginnt nicht erst bei der Pflanze, sondern bei tragfähiger Planung, klaren Zuständigkeiten, geeigneten Materialien, Brandschutz, Bewässerung, Instandhaltung und Qualitätssicherung.
Besonders relevant für die Praxis ist die stärkere Verknüpfung von technischen Kennwerten, Ausschreibung, Betrieb und Finanzierung. Gebäudegrün wird zunehmend mit messbaren Wirkungen argumentiert — etwa über Abflussbeiwerte, Verschattungswirkung, Verdunstungskühlung, Biodiversität, Lebensdauerverlängerung von Bauteilen oder Beiträge zu ESG- und Taxonomie-Zielen. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie Begrünung bankfähig, förderfähig und in Energieausweise sowie Gebäudedaten integriert werden kann.
Messbarkeit als Schlüssel: U-GREEN und neue Forschungsdaten
Ein starkes Signal kam aus der Forschung: Gebäudebegrünung wird zunehmend mess- und berechenbar. In der von GRÜNSTATTGRAU organisierten Austauschgruppe „U-Green Workshop –Mess- & Berechenbare Begrünung“ arbeiten inzwischen mehr als 50 Fachexpert:innen aus 32 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Ziel ist es, Forschungsdaten, Messmethoden, Simulationen und Kennwerte stärker zu bündeln und in die Praxis zu bringen. Dort wurden bestehende und notwendige Datengrundlagen zur Mess- und Berechenbarkeit von Gebäudebegrünung diskutiert.
Auch Projektergebnisse wie Hedwig lieferten wichtige Daten: Das Monitoring an Fassaden- und Dachbegrünungen im Raum Wien und Niederösterreich zeigte unter anderem, dass Laubkörper die solare Einstrahlung bei vollem Blattstand um 80 bis 90 Prozent reduzieren können. Die Ergebnisse unterstreichen außerdem, wie wichtig vollständige Vegetationsdeckung, Wasserverfügbarkeit und geeignete Pflanzenwahl für Kühlleistung und thermischen Komfort sind.
Solargründächer: Wirtschaftlichkeit wird greifbar
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Solargründächern. Die vorgestellten Kosten-Nutzen-Analysen zeigen, dass die Kombination von Photovoltaik und Gründach nicht nur ökologisch, sondern in vielen Fällen auch wirtschaftlich argumentierbar ist. Neben Stromerträgen spielen dabei verlängerte Lebensdauer der Dachabdichtung, Regenwasserrückhalt, reduzierte Niederschlagswassergebühren, Kühl- und Heizkosteneffekte, Biodiversität und Immobilienwert eine Rolle. Für Hamburg wurde eine kombinierte Pflicht für Gründächer mit Photovoltaik auf Flachdächern ab 2027 diskutiert.
Damit verschiebt sich die Debatte: Nicht mehr nur „Was kostet Begrünung?“, sondern „Welche Schäden, Betriebskosten und Klimarisiken werden vermieden?“ wird zur entscheidenden Frage.
Klimaresiliente Stadtentwicklung braucht Governance
Die Beiträge zu München, Paris und weiteren Städten zeigten, dass Gebäudebegrünung nur dann ihre volle Wirkung entfaltet, wenn sie Teil einer gesamtstädtischen Strategie ist. Diskutiert wurden begrünte Straßen und Plätze, Gemeinschaftsdächer, Fassadenbegrünung, Rückbau von Verkehrsflächen, „dritte Orte“, Biodiversitätsräume und klimaaktive öffentliche Räume. Die zentrale Erkenntnis: Grüne und blaue Infrastruktur muss systemisch geplant werden — nicht als Einzelmaßnahme, sondern als Netz aus Gebäuden, Freiräumen, Wasser, Mobilität, sozialer Infrastruktur und Governance.
GRÜNSTATTGRAU stark vertreten
GRÜNSTATTGRAU war beim BuGG Weltkongress 2026 umfassend präsent: mit sechs Moderationen, der Leitung des U-Green Workshops sowie einem eigenen Ausstellertisch als Anlaufstelle für Austausch, Vernetzung und Wissenstransfer. Damit konnte die österreichische Kompetenzstelle für Bauwerksbegrünung ihre Rolle als Innovationsmotor im deutschsprachigen Raum sichtbar einbringen — von Forschung und Monitoring über Normen und Finanzierung bis hin zur konkreten Umsetzung in Gebäuden und Quartieren.

