Neue COST-Action-Initiative: Leistung von Nature-based Solutions für Gebäude messbar und simulierbar machen
GRÜNSTATTGRAU initiiert einen Vorschlag für eine europäische COST Action mit dem Titel „Making the Performance of Building-Integrated Nature-Based Solutions Measurable and Computable (MECOBI-NBS)“.
Ziel ist der Aufbau eines europaweiten Forschungs- und Innovationsnetzwerks, das bestehende Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit von begrünten Dächern, begrünten Fassaden und verwandten Nature-based Solutions (NBS) zusammenführt und für die Gebäude- und Stadtklimasimulation nutzbar macht.
Von fragmentierten Daten zu vergleichbaren Parametern
Die Initiative setzt bei einer bestehenden Herausforderung an: Zwar sind die möglichen Vorteile von Gebäudebegrünung vielfach untersucht, jedoch fehlen laut dem Vorschlag bislang einheitliche Ansätze, um zu quantifizieren, wann, wo und wie zuverlässig diese Effekte auftreten.
Monitoring- und Simulationsmethoden bilden unterschiedliche Vegetationsprozesse ab. Gleichzeitig sind Eingangsparameter, Metadaten, Indikatoren, Randbedingungen und Verfahren zur Validierung bislang fragmentiert. Auch saisonale Entwicklungen, mehrjährige Veränderungen der Vegetation, Pflege und Wasserverfügbarkeit werden nach Angaben der Initiatoren nur selten konsistent beschrieben.
Die COST Action soll deshalb dazu beitragen, diese Informationen systematischer miteinander zu verknüpfen. Dabei geht es unter anderem um thermische und hygrothermische Eigenschaften, Verdunstung und Kühlung, Verschattung und Strahlung sowie strukturell relevante Eigenschaften von Vegetation und Systemen.
Fünf zentrale Ziele
Für eine Laufzeit von vier Jahren sind fünf zentrale Arbeitsbereiche vorgesehen:
- Harmonisieren: Entwicklung gemeinsamer Begriffe, Mindestanforderungen an Metadaten und Protokolle für die Erfassung von Verdunstung und Kühlung, Verschattung und Strahlung, thermischem und hygrothermischem Verhalten sowie strukturell relevanten Eigenschaften.
- Vernetzen: Verknüpfung bestehender und anderweitig finanzierter Experimente über unterschiedliche Klimazonen, Jahreszeiten und Systemtypen hinweg, um vergleichbare mehrjährige Daten zu ermöglichen, ohne Forschungsförderung zu duplizieren.
- Strukturieren: Entwicklung eines FAIR-orientierten Datenmodells für Pflanzen- und Systembeschreibungen. Berücksichtigt werden sollen unter anderem Phänologie, Kronengeometrie, physiologische Eigenschaften, Substrat- und Wasserstatus, Management, Alterung, Biomasse und lastrelevante Parameter.
- Benchmarken: Vergleich und Weiterentwicklung von Workflows für Gebäudeenergie- und Mikroklimasimulationen anhand von Referenzfällen sowie von Leitlinien für eine unsicherheitsbewusste Kalibrierung und Validierung.
- Übersetzen: Überführung der Erkenntnisse in Parameterbibliotheken, Schulungsangebote, Planungshilfen sowie eine Roadmap für Softwareintegration, Normung und zukünftige Forschungskooperationen.
Interdisziplinäres und europaweites Netzwerk
Nach Angaben von GRÜNSTATTGRAU kann der erforderliche Parameterraum nicht von einem einzelnen Labor, einer einzelnen Klimaregion oder einer einzelnen Disziplin abgedeckt werden. Das geplante COST-Netzwerk soll daher Forschung aus unterschiedlichen Ländern, Klimaregionen und Fachgebieten miteinander verbinden.
Gesucht werden unter anderem Beiträge aus den Bereichen Pflanzenökophysiologie und Gartenbau, Vegetationstechnik, Metrologie und Sensorik, Bauphysik, Wärme- und Feuchtetransport, Tragwerksplanung, Stadtklima und CFD, Statistik, Unsicherheitsanalyse und FAIR Data sowie BIM, digitale Zwillinge und Simulationssoftware. Ebenfalls angesprochen werden Akteure aus dem Bereich der Gründach- und Fassadensysteme, der Landschaftsarchitektur, Industrie und Standardisierung.
Besonders hervorgehoben werden unterschiedliche Klimaregionen, COST Inclusiveness Target Countries sowie Young Researchers and Innovators.
Forschungsergebnisse für Planung, Software und Standardisierung
Die geplante Zusammenarbeit soll bestehende Messdaten und Forschungsergebnisse aus national und anderweitig finanzierten Projekten zu begrünten Dächern und Fassaden zusammenführen, vergleichen und strukturieren. Daraus sollen harmonisierte Parameter, Datenstrukturen, validierte Berechnungsmethoden und Benchmarks entstehen, die in der Bauphysik, Gebäudeenergie- und Mikroklimasimulation sowie bei Softwareentwicklung und Standardisierung eingesetzt werden können.
Hersteller, Planer und Ingenieure sollen die praktische Nutzbarkeit der Ergebnisse prüfen. Städte, Gebäudeeigentümer und Zertifizierungsstellen sollen Anforderungen an Entscheidungsprozesse und Umsetzung einbringen. Auch Politik und Standardisierungsorganisationen sollen in die spätere Nutzung der Ergebnisse einbezogen werden.
Vorgesehen sind dafür unter anderem Working Groups, Short-Term Scientific Missions, Training Schools, Benchmark-Übungen sowie gezielte Gespräche mit Praktikerinnen und Praktikern und politischen Entscheidungsträgern.
Die Ergebnisse sollen über einen offenen Wissenshub, wissenschaftliche Methoden- und Datenpublikationen, softwareorientierte Dokumentation, Praxisinformationen, Webinare, Demonstrationen und Beiträge zur Standardisierung verbreitet werden. Open Access soll, soweit möglich, gewährleistet werden.
Einladung zur Mitarbeit
GRÜNSTATTGRAU lädt Universitäten, Forschungseinrichtungen, öffentliche Stellen, KMU, Industrie, Berufsverbände, NGOs und weitere relevante Akteure ein, sich am Aufbau des Proposernetzwerks zu beteiligen.
Interessierte werden gebeten, möglichst frühzeitig Land, Institution, Fachgebiet, Karrierestufe und den vorgesehenen eigenen Beitrag an folgende Adresse zu senden:
elisabeth.leitner@gruenstattgrau.at
Für den Call OC-2026-1 werden laut Ausschreibung mindestens sieben COST Full/Cooperating Members, mindestens 50 % Inclusiveness Target Countries und mindestens 40 % Young Researchers and Innovators (unter 40 Jahren) benötigt. Die Einreichungsfrist endet am 28. Oktober 2026 um 12:00 Uhr CET. Für die Einreichung ist außerdem ein aktualisiertes e-COST-Profil erforderlich.
Die Initiative soll damit die Grundlage für ein europaweites Netzwerk schaffen, das die Messung, Vergleichbarkeit und Simulation der Leistungsfähigkeit von begrünten Dächern, Fassaden und weiteren gebäudeintegrierten Nature-based Solutions systematischer zusammenführt.
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