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NEB Vienna’s Green Shift 2026

Wie können Städte nachhaltiger, inklusiver und schöner werden? Diese Frage stand im Zentrum der Online-Veranstaltung „Vienna’s Green Shift: Vision, Practice, Transformation“, die am 12. Juni 2026 als Satellite Event im Rahmen des New European Bauhaus Festivals stattfand.

Wie können Städte nachhaltiger, inklusiver und schöner werden? Diese Frage stand im Zentrum der Online-Veranstaltung „Vienna’s Green Shift: Vision, Practice, Transformation“, die am 12. Juni 2026 als Satellite Event im Rahmen des New European Bauhaus Festivals stattfand. Gemeinsam mit RATAPLAN – Architektur ZT GmbH, GRÜNSTATTGRAU, green4cities und IBO wurden konkrete Wiener Forschungs- und Umsetzungsprojekte vorgestellt, die zeigen, wie grün-blaue Infrastruktur in dichten urbanen Räumen gelingen kann.

Unter dem Leitmotiv des New European Bauhaus – „Beautiful. Sustainable. Together.“ – rückte die Veranstaltung jene Qualitäten in den Mittelpunkt, die zukunftsfähige Lebensräume ausmachen: Klimaschutz und Klimaanpassung, Ressourcenschonung, soziale Teilhabe, Gestaltungsqualität und die gemeinsame Umsetzung über Fachgrenzen hinweg.

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll: Transformation beginnt nicht abstrakt, sondern sehr konkret – an Fassaden, auf Dächern, in Straßenräumen, auf Plätzen, in Quartieren und überall dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung für ihr direktes Lebensumfeld zu übernehmen.

Daten und Fakten als Grundlage für Veränderung

Den ersten fachlichen Impuls setzte Rudolf Bintinger vom IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie. Er zeigte, wie wichtig belastbare Daten und Messungen für die Weiterentwicklung der Gebäudebegrünung sind. Im Mittelpunkt standen Forschungsprojekte wie GLASGrün, HEDWIG und MARGRET beziehungsweise MARGRET BioShade. Die präsentierten Ergebnisse machen deutlich, dass Fassadenbegrünungen mehr leisten als eine optische Aufwertung. Sie können den solaren Strahlungseintrag deutlich reduzieren und damit eine Wirkung erzielen, die mit externen Beschattungssystemen vergleichbar ist. In den vorgestellten Projekten wurden Reduktionen von bis zu 90 Prozent thematisiert; Simulationen aus GLASGrün zeigten eine Verringerung solarer Einträge von 50 bis 70 Prozent. Besonders relevant ist dieser Effekt bei Glasflächen und weniger gedämmten Bauteilen. Auch Dachbegrünungen wurden bauphysikalisch betrachtet. Die Ergebnisse aus HEDWIG zeigen Potenziale zur Reduktion des Kühlbedarfs im Vergleich zu Kiesdächern, machen aber zugleich deutlich, dass Wirkung, Pflege, Bewässerung und Pflanzenwahl immer gemeinsam betrachtet werden müssen. Damit wurde ein zentraler Punkt der Veranstaltung sichtbar: Gebäudebegrünung braucht nicht nur gute Ideen, sondern auch nachvollziehbare Kennwerte, Monitoring und langfristige Qualitätssicherung.

Mut zur Umsetzung: Projekte an der Schnittstelle von privat und öffentlich

 

Der zweite Impuls kam von Irene Zluwa, Senior Project Manager und Researcher bei GRÜNSTATTGRAU. Sie stellte Forschungs- und Umsetzungsprojekte in Wien vor, die besonders deutlich zeigen, wie eng Gebäudebegrünung mit Fragen von Eigentum, öffentlichem Raum, Genehmigungen, Finanzierung und Beteiligung verbunden ist. Im Fokus standen unter anderem Meidlinger L, Volkert macht blau, Wiener Klima Himmel und Grau für Grün-Blau. Die Projekte zeigen, dass Transformation oft dort beginnt, wo Bürger, Planer, Verwaltung und Forschung gemeinsam neue Wege erproben.

Bei Meidlinger L steht eine umfassende Fassadenbegrünung mit Balkonen und Straßenraumgestaltung im Mittelpunkt – verbunden mit komplexen Eigentümerzustimmungen und Finanzierungsfragen. Volkert macht blau entwickelte eine multifunktionale Struktur, die Photovoltaik und Begrünung kombiniert. Grau für Grün-Blau untersucht, wie gereinigtes Grauwasser aus Gebäuden für die Bewässerung öffentlicher Grünflächen und zur Grundwasseranreicherung genutzt werden kann. Damit wird ein zentrales Thema klimaresilienter Städte aufgegriffen: Wasser als Ressource im Quartier zu halten und sinnvoll zu nutzen. Der Beitrag verdeutlichte, dass : viele Lösungen technisch bereits denkbar oder erprobt sind, aber die eigentlichen Herausforderungen in Bewilligungen, Finanzierung, Betrieb und langfristiger Pflege liegen.

 

Bauwerksbegrünung dort, wo Bäume nicht wachsen können

Im dritten Vortrag stellte Nikolaus „Nik“ Stützle, geschäftsführender Gesellschafter von RATAPLAN – Architektur ZT GmbH, das Konzept der Flying Gardens vor. Die Grundidee: Überall dort, wo Bäume aufgrund unterirdischer Einbauten, mangelnden Wurzelraums oder dichter Infrastruktur nicht gepflanzt werden können, sollen modulare Leichtbau-Konstruktionen mit Edelstahlseilnetzen und Kletterpflanzen rasch Schatten und Aufenthaltsqualität schaffen. Die Flying Gardens verstehen sich nicht als Ersatz für Stadtbäume, sondern als ergänzendes Werkzeug für die klimaresiliente Stadt. Vorgestellt wurden Anwendungsmöglichkeiten für Märkte, Straßenräume und Parkplätze. Die Systeme können mit weiteren Funktionen kombiniert werden, etwa Photovoltaik, Beleuchtung oder Vernebelung. Nach drei bis fünf Jahren sollen sie eine wirksame Verschattung erreichen und damit zur Reduktion thermischer Belastung im öffentlichen Raum beitragen. Gleichzeitig wurden auch die technischen Rahmenbedingungen offen angesprochen: Statik, Rettungswege, Beleuchtung, Entwässerung, Anwuchserfolg, Pflege, Bewässerung und ausreichender Wurzelraum sind entscheidend. Gerade bei trogbasierten Systemen ist die dauerhafte Versorgung der Pflanzen zentral. Bodengebundene Lösungen gelten weiterhin als besonders robust und resilient – dort, wo sie möglich sind.

 

Finanzierung, Wirkung und Quartiersmanagement zusammendenken

Den vierten Impuls gestaltete Doris Schnepf, Mitgründerin und CEO von Green4Cities. Ihr Beitrag widmete sich der Frage, wie Transformationsprojekte nicht nur geplant, sondern auch finanziert, bewertet und langfristig organisiert werden können. Im Zentrum standen Quartiersansätze und wirkungsbasierte Finanzierungsmodelle. Beispiele wie der Klimaboulevard in Melk und die Mierendorffinsel in Berlin zeigen, dass Klimaanpassung über Eigentumsgrenzen hinweg gedacht werden muss. Öffentliche Hand, private Eigentümer, Verwaltung, Planung, Forschung und lokale Akteur müssen gemeinsam an einem Tisch sitzen, damit aus Einzelmaßnahmen tragfähige Transformationsprozesse werden. Für Melk wurde ein Blended-Finance-Modell vorgestellt, das öffentliche Mittel, Förderungen und ökosoziale Stadterneuerungsanleihen kombiniert. Rückflüsse an Investor sollen dabei an messbare Wirkungsziele wie Temperaturreduktion geknüpft werden. In Berlin werden städtebauliche Verträge als Instrument genutzt, um private Bauherren an der Finanzierung von Infrastruktur zu beteiligen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Wirkungsmessung: Ein KPI-System mit mehreren Kategorien und zahlreichen Indikatoren soll helfen, Fortschritte sichtbar zu machen und langfristiges Quartiersmanagement zu unterstützen. Damit wurde deutlich, dass grün-blaue Infrastruktur nicht nur gebaut, sondern dauerhaft betrieben, gepflegt und finanziert werden muss.

Wien zeigt, wie Transformation konkret werden kann

All die genannten Projekte befinden sich in Wien, damit haben wir gezeigt, dass die grüne Transformation urbaner Räume bereits begonnen hat. Die vorgestellten Ansätze reichen von messbarer Gebäudebegrünung über Grauwassernutzung, Bürger und modulare Verschattungssysteme bis hin zu neuen Finanzierungs- und Quartiersmodellen. Die zentrale Botschaft: Zukunft wird nicht nur geplant – sie wird gestaltet. Gemeinsam, Schritt für Schritt, mit Mut, Wissen, Kreativität und der Bereitschaft, über institutionelle und fachliche Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten.

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