Technik

In der Bauwerksbegrünung wird zwischen Dachbegrünung, Fassadenbegrünung und Innenraumbegrünung unterschieden. Erfahre hier, welche Bauweisen es gibt und welche Technik für Dein Projekt zur Anwendung kommen sollte.

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Bei den Mitgliedern des Verbands für Bauwerksbegrünung Österreich unter gruenstattgrau.org bist du an der richtigen Adresse. Ob Dachbegrünung, Fassadenbegrünung oder Innenraumbegrünung- für jeden Fachbereich kannst du in ganz Österreich mit geeigneten Unternehmen direkt Kontakt aufnehmen. Hier findest Du passende Kontakte.

DAS DACH

Du möchtest mehr zur Technik in der Dachbegrünung wissen?

Dachbegrünung mit Photovoltaikanlage, Blumen im Vordergrund, Hochhäuser im Hintergrund

DIE FASSADE

Du möchtest mehr zur Technik in der Fassadenbegrünung wissen?

DIE WAND

Du möchtest mehr zur Technik in der Innenraumbegrünung wissen?

begrünte Wand in einem Innenraum

DACHBEGRÜNUNG

In den meisten Städten gibt es viele Dachflächen die sich für ein Gründach eignen, aber noch brach liegen. Und auch viele modern errichtete Einfamilienhäuser besitzen ein flaches Dach, dieses Potenzial gilt es zu nutzen. Denn Gründächer haben viele positive Auswirkungen auf das Klima, die Menschen und die Umwelt: sie fördern den Regenwasserrückhalt und entlasten das Kanalnetz. Im Sommer erwirken sie eine Energieeinsparung durch den Kühleffekt und die Verbesserung des Mikroklimas, im Winter wirken sie als zusätzliche Wärmedämmung. Die Lebensdauer der Dachabdichtung wird verlängert, da sie vor UV-Strahlung, Temperaturspitzen und Hagelschlag geschützt wird. Staub und Luftschadstoffen werden gebunden.

Es gibt zwei Arten von Dachbegrünungen. Sie unterscheiden sich durch Aufbauhöhe, Gewicht, Funktion und eingesetzte Pflanzenarten in die extensive und intensive Dachbegrünung:

Extensive Dachbegrünungen

 

beginnen bei einer Aufbauhöhe von 8 cm und haben ein geringes Gewicht. Niedrig wachsende Pflanzenarten, zumeist Sukkulente, Moose, Kräuter und Gräser bestimmen das Vegetationsbild. Extensive Dachbegrünungen erfordern wenig Pflegeaufwand. Da sie durch uns meistens nicht genutzt werden, bieten sie einen wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Intensive Dachbegrünungen

 

beginnen ab einer Aufbauhöhe von 20 cm und haben ein höheres Gewicht. Je nach Aufbauhöhe können fast alle Pflanzenarten eingesetzt werden, bis hinzu Bäumen die mindestens 80 cm Substrathöhe brauchen und gegen Windlasten gesichert werden. Eine intensive Dachbegrünung kann alle Funktionen eines Gartens übernehmen und wird dementsprechend gepflegt und bewässert. Sie wird durch uns natürlich genutzt, beispielsweise zu Erholung, Sport und dem Anbau von Gemüse.

Übrigens: Auf einer intensiven oder auch naturnahe ausgeführten Dachbegrünung können sich bis zu 30 Wildbienenarten tummeln!

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Normgerecht begrünt werden können Dächer mit Neigungen von 1,8 % (1°) bis 58 % (30°), wobei ab 9 % Neigung Maßnahmen gegen das Abrutschen von Wurzelschutz und Abdichtung, ab 26 % gegen Abrutschen des gesamten Aufbaues zu setzen sind. Dachbegrünungen außerhalb dieser Gefällespanne sind als Sonderkonstruktionen anzusehen und bedürfen unbedingt einer professionellen Errichtung.

Folgende Dächer sind begrünbar:

Kaltdach – durchlüftete zweischalige Konstruktion, deren obere Schale tragfähig ist

Einschalige Konstruktion ohne Wärmedämmung

Warmdach – einschalige Konstruktion mit Wärmedämmung unter der Abdichtung

Umkehrdach – einschalige Konstruktion mit Wärmedämmung über der Abdichtung

Vegetation: Variiert von bodendeckenden Sukkulenten bis hin zu Sträuchern und Bäumen je nach Aufbauhöhe der Dachbegrünung, die Begrünung ist mittels Ansaat mit Sprossteilen, mit Topf- und Ballenpflanzen bis hin zu vorkultivierten Fertigmatten und Fertigrasen möglich.

Substrat/Vegetationstragschicht: Wurzelraum für die Pflanzen und zur Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Die normgerechten Substrate bestehen aus mineralischen offenporigen Schüttstoffen, wie z.B. Tonhartbrand, Blähton, Blähschiefer oder recycling Ziegelsplitt, welche mit einem variierenden Anteil an organischer Substanz (wie beispielsweise gütegesichertem Kompost) abgemischt werden.

Filterschicht: trennt die Vegetationsschicht von der Dränschicht und verhindert damit das Verschlämmen der Dränschicht durch eingeschwemmte Feinanteile aus der Vegetationstragschicht. Sie besteht aus durchwurzelbaren und wasserdurchlässigen Geotextilien.

Drainage- und Speicherschicht: dient zur kontrollierten Ableitung und auch Speicherung von überschüssigem Wasser und besteht aus mineralischen (Recycling-) Schüttstoffen, Dränmatten, Dränplatten aus Kunststoff oder Dränelemente aus Kunststoff mit und ohne Wasserspeicherfunktion.

Schutzlage: schützt die Dachabdichtung in der Bauphase und darüber hinaus vor Beschädigung.

Zusätzlicher Durchwurzelungsschutz:
entfällt, wenn die Dachabdichtung bereits wurzelfest ausgeführt ist.

Dachabdichtung: ist immer normgerecht und wurzelfest ausgeführt.

Dachbegrünungen verfügen immer über mehrere Schichten mit unterschiedlichen Funktionen, wobei das Substrat auch die Funktion der Speicher- und Drainageebene übernehmen kann.
Mit Rutsch- und Schubsicherung kann man nicht nur flache, sondern auch geneigte Dächer begrünen. Wichtige weitere Bestandteile des Daches sind der Kiesstreifen sowie Entwässerungseinrichtungen. Eine wurzelsichere Abdichtung ist Pflicht.

Herkömmliche „Erde“ gibt es in der Dachbegrünung nicht, da das Substrat eine Vielzahl an technischen Anforderungen, wie beispielsweise Wasserrückhaltung und Drainagefähigkeit, aufweisen muss um auch nach 30 Jahren noch immer einwandfrei zu funktionieren.

Gartenlandschaft vor einem Gebäude

Dachbegrünungen gleichen von System her einem Blumentopf und brauchen gerade in der Anfangsphase viele Nährstoffe. Daher aufs Düngen nicht vergessen!

Die Dachbegrünung wird in Österreich durch Standards geregelt, in der ÖNORM L1131- Dachbegrünung des Austrian Standards Institute. Systemlösungen werden durch den Verband für Bauwerksbegrünung zertifiziert, Produkte mit dem Gründach Gütesiegel ausgezeichnet. Außerdem gibt es mehere frei zugängliche unterstützende Leitfäden für die Planung, Ausführung und Pflege.

Grafik Buch

FASSADENBEGRÜNUNG

Verschiedene Fassadenbegrünungen haben unterschiedliche Umsetzungsformen. Grundsätzlich wird zwischen „bodengebundenen“ und „fassadengebundenen“ Systemem unterschieden. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen Begrünungen mit Kletterpflanzen und Living Walls, die mit Stauden, Gräsern und Kräutern bepflanzt werden.

Einteilung der Kletterpflanzen nach Wuchsform

Bei Kletterpflanzen unterscheidet man zwischen selbstklimmenden Kletterpflanzen wie z.B. Wilder Wein und Gerüstkletterpflanzen, die eine Hilfe zum Klettern benötigen. Je nach Kletterstrategie und Haftorganen kommen unterschiedliche Rankhilfen zum Einsatz.

Tröge für Fassadenbegrünungen haben ähnliche Erfordernisse wie eine Dachbegrünung an die Langlebigkeit und Strukturstabilität des Substrates und werden daher schichtweise aufgebaut. Ein Wasseranstau hilft Wasser zu sparen. Es gibt über 20 verschiedene Kletterpflanzen in unseren Breiten, von denen manchen Arten bis zu 30m hoch werden können.

Living Walls verfügen fast immer über eine automatische Bewässerung und Nährstoffversorgung und bieten viel optischen Gestaltungsspielraum. Sie werden vorgehänt und hinterlüftet am Haus angebracht. Das System benötigt keinen Bodenkontakt und dämmt das Gebäude.

Über Sensoren und selbstlernende Steuerungen können Fassadenbegrünungen bedarfsgerecht und präzise versorgt werden. Wasserführende Ebenen sind immer vom Gebäude entkoppelt.

Kontrolle und Wartung einer Fassadenbegrünung

Je nach Zugänglichkeit und Begrünungshöhe wird die Pflege mittels Hubgeräten oder Klettertechnik durchgeführt. Pflanzen werden rückgeschnitten und bei Bedarft Nährstoffe eingebracht.

INNENRAUMBEGRÜNUNG

Vertikale Innenraumbegrünungen übernehmen zahlreiche Funktionen. Sie tragen zur Raumklimatisierung bei, befeuchten die Luft, binden Stäube, reduzieren Lärm und können gestalterische oder auch raumbildende Strukturen bieten. Außerdem ist die optische Aufwertung als auch die Wohlfahrtswirkung auf uns Menschen gegeben. In einem begrünten Wohn- und Arbeitsumfeld fühlen wir uns einfach wohler, werden produktiver und können uns besser erholen.

Jede Innenraumbegrünung wird gezielt auf die jeweilige Umgebung abgestimmt. Funktion und Nutzung des Raumes, Lichtverhältnisse, Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit sind zu prüfen, um eine fachgerechte Begrünung herzustellen.

begrünte Wand in einem Innenraum

Geeignete Pflanzen können beispielsweise Efeutute, Einblatt, Drachenbaum, Philodendron, Grünlilie oder Schefflera sein.

begrünte Wand in einem Innenraum

Durch die gezielte Auswahl von Pflanzen mit unterschiedlichen Blattfarben und –strukturen können „Living Walls“ mit individuellen Mustern bis hin zu Logos oder Schriftzügen gestaltet werden.

Wände im Innenraum sind mit immergrünen, meist tropischen Pflanzen begrünt. Sie verfügen fast immer über eine automatische Bewässerung und Nährstoffversorgung und bieten viel optischen Gestaltungsspielraum. Sie können direkt aus der Wasserleitung oder über einen Tank versorgt werden.

Wasserführende Ebenen sind immer von der Wand entkoppelt. Weil grüne Wände im Innenraum keinen extremen Witterunsereignissen stand halten müssen, sind die meist leichter und durchsichtiger, als die Technologien im Außenraum.

Wandbegrünung in einem Bürogebäude

Begrünte Wände im Innenraum sind „erdfrei“ beziehungsweise in Hydrokultur ausgeführt. Manche sind sogar hydroponisch aufgebaut, kommen somit ganz ohne Substrat aus.

Begrünte Wand in einem Restaurant

Besondern wichtig ist außerdem eine richtig dimensionierte Lichtquelle, die für Pflanzen verfügbares Licht spendet. Pflanzen haben nämlich andere Lichtansprüche als der Mensch, daher muss auf geeignete Leuchtmittel Rücksicht genommen werden. Sie benötigen jedoch auch dunkle Ruhephasen, wie wir. Mittlerweile werden Pflanzen im Innenraum fast ausschließlich mit LED Technologie beleuchtet.

Grafik Blätter einer Kletterpflanze

Es gibt auch Kletterpflanzen für den Innenraum, wie beispielsweise Kastanienwein. Er kann auf einem Gerüst über mehrere Geschoße nach oben wachsen.

Fisch und Salatblatt in einem Kreis

In und auf Gebäuden werden auch Lebensmittel, von Gemüse über Fisch bis hin zu Pilzen produziert. Der wachsende Trend nennt sich vertical bzw. urban farming und soll in Zukunft helfen, den Flächenanspruch für konventionelle Landwirtschaft drastisch zu senken.

Die Innenraumbegrünung wird in Österreich durch Standards geregelt, in der ÖNORM L1133- Innenraumbegrünung des Austrian Standards Institute.  Außerdem gibt es mehere frei zugängliche unterstützende Leitfäden für die Planung, Ausführung und Pflege.

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